Die deutschen Gasversorgern müssen sich auf einen neuen Wettbewerber einstellen: der norwegische Statoil-Konzern plant, beim Erdgas ins Endkundengeschäft einzusteigen und als Gasanbieter selbst Endkunden zu beliefern. Vor allem bei Gaskraftwerken sieht das Unternehmen Wachstumschancen.

Den eigenen Kunden Konkurrenz machen – das plant der norwegische Statoil-Konzern. Bisher trat das Unternehmen in Deutschland nur als Vorlieferant von Ferngasgesellschaften wie E.ON Ruhrgas in Erscheinung, die wiederum kleinere Stadtwerke und Gasanbieter beliefern. Diesen Zwischenhandel will Statoil nun umgehen: Man plane, Gas direkt an Industriekunden und andere Endabnehmer zu verkaufen, so der für das internationale Gasgeschäft zuständige Manager Rune Björnson im Gespräch mit der Financial Times Deutschland.

Wachstumspotential sieht Statoil vor allem im Bereich von Gaskraftwerken. Sogar eine Beteiligung an solchen Anlagen kann sich der Konzern dem Bericht zufolge vorstellen – und würde auch damit in einer Domäne der großen deutschen Energieversorger wildern. Auch über spezielle Gastarife für Gaskraftwerke wird bei Statoil nachgedacht, um ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Derzeit sind die Margen von Gaskraftwerken relativ gering, obwohl ihre Umweltbilanz besser ausfällt als die anderer konventioneller Kraftwerke.

Sollte Statoil seine Pläne umsetzen, dürfte das den Wettbewerb auf dem Gasmarkt weiter ankurbeln. Dabei haben die etablierten Gasversorger schon jetzt zu kämpfen: Sie beziehen ihre Energiemengen meist über langfristige Verträge mit Statoil oder Gazprom, deren Preise sich am Ölpreis orientieren. Der steigt derzeit. Andere Versorger kaufen dagegen am Spotmarkt kurzfristig Gas zu derzeit relativ niedrigen Preisen. Das setzt Platzhirsche und viele Grundversorger unter Druck, denn immer mehr Verbraucher wechseln angesichts der Preisunterschiede den Gasanbieter. Das kann sich lohnen: Die jährliche Ersparnis beträgt oft mehrere hundert Euro.